Wo gefilmt wird, wie viel und wohin die Entwicklung geht.
Deutschland ist seit Jahren eine der führenden Produktionsbasen in Europa: starke Förderlandschaft, gut ausgebaute Film-Commission-Netzwerke und regionale Hubs (Berlin-Brandenburg, Bayern, Hamburg u. a.). Doch wieviel Material wird on location gedreht, wie viele unterschiedliche Locations werden typischerweise benötigt und wie hat sich das in den letzten Jahren entwickelt? Hier meine zusammengefassten Befunde — klar getrennt zwischen harten Fakten, aussagekräftigen Indikatoren und fundierten Schätzungen.
Kurzfassung (die Kernaussagen)
Harer Befund: Es existiert keine zentrale, öffentliche Statistik, die verbindlich angibt „X % des Materials in Deutschland wird on-set gedreht“. Stattdessen geben mehrere Indikatoren (Förderbedingungen, regionale Shooting-Daten, Produktionsberichte) Orientierung. FFA+1
Indikator: Förderbedingungen — Wichtige Förderprogramme schreiben vor, dass ein signifikanter Anteil der Produktionskosten in Deutschland ausgegeben werden muss (häufig Mindestspendensätze um 25 % bzw. Anreize bis zu 30 % für in-country Ausgaben). Das wirkt stark stimulierend für Drehs in Deutschland. FFA
Regionaler Aktivitäts-Beleg: Berlin-Brandenburg verzeichnete 2024 weiterhin hohe Aktivität mit rund 5.000 Shooting-Tagen — ein klares Zeichen für lebhafte On-Site-Produktion in einem einzelnen Bundesland. Medienboard
Schätzung (transparente Einordnung): Basierend auf Förderregeln, regionalen Shooting-tagen und Produktionspraktiken schätze ich, dass bei überwiegenden (deutsch geförderten) Produktionen mindestens 40–70 % der „sichtbaren“ Bild-Materialien (Außen- und Innenaufnahmen an realen Orten) on location in Deutschland entstehen — je nach Produkttyp (Low-Budget-Dokumentation vs. High-End-Serie). Diese Bandbreite ist bewusst konservativ gehalten, weil Gesamtdaten fehlen. (siehe Begründung unten). FFA+1
Warum es keine einfache Prozentzahl gibt
Es gibt drei Gründe, warum eine einzige, verlässliche Prozentzahl schwer zu liefern ist:
Unterschiedliche Definitionen: „On-set“ / „on location“ vs. Studioaufnahmen / virtuelle Produktion werden nicht immer identisch gezählt. (Was ist z. B. eine Außenkulisse im Studio?) BMWK
Zerstreute Datenquellen: Regionale Film-Commissions melden Shooting-Tage (z. B. Berlin-Brandenburg), Förderstellen veröffentlichen Fördervolumina; eine zentrale nationale Datenbank für „Anteil Material on-location“ fehlt. FFA+1
Produktionsmix: Spielfilm, Dokumentation, TV-Serie, Werbefilm unterscheiden sich massiv in Location-Anzahl und Anteil On-Location-Material.
Wie viele unterschiedliche Locations werden gebraucht? (Praxis & Beispiele)
High-End-Serien (international / Prestige): können zig bis hunderte verschiedene Locations verwenden; moderne US/kanadische Serien melden pro Episode häufig 8–15 reale Locations (Beispiel: große Dramaserien nutzten für eine Staffel teils mehrere Dutzend bis über 60 Locations). Als beispielhafte Größenordnung nennt ein Produktionsbericht für eine große Serie 8–10 Locations pro Episode. Condé Nast Traveler
Deutsche Spielfilme / TV-Kinospielfilme: liegen im Schnitt deutlich darunter — typisch 5–30 Locations je nach Drehbuch, Produktionsgröße und ob viele Interior-Sets gebaut werden. (Das ist eine Branchen-Praxis-Schätzung, gestützt durch Fallstudien und regionale Produktionsberichte.) Film Partners+1
Dokumentationen / Low-Budget: oft 1–10 Locations, teils nur ein Hauptort.
Takeaway: Location-Anzahl skaliert stark mit Umfang des Projekts: Serien > Kinofilm > Kurzfilm/Doku.
Entwicklungstrends der letzten Jahre (Kurz-Analyse)
Trend: Rebound nach Krisenjahren (2023–2024)
Nach pandemie- und streikbedingten Einschnitten stabilisierte sich die Produktion wieder; Reports sprechen von einer Erholung 2024/2025, allerdings bei massiv gestiegenen Produktionskosten. Das führt zu selektiverem Drehplaning und stärkerer Nutzung von Förderanreizen. Hollywood Reporter+1
Trend: Zunahme von High-End-Series-Drehs in Europa
Internationale Serienproduktionen machen zunehmend auch in Deutschland Station — unterstützt durch deutsche Fonds (DFFF, GMPF) und regionale Anreize. Diese Produktionen treiben die Nachfrage nach vielfältigen Locations. FFA+1
Trend: Green & nachhaltiges Drehen
Umweltauflagen und Nachhaltigkeitsinitiativen beeinflussen Location-Planung (z. B. Vermeidung langer Transferschleifen, lokale Crew), was teilweise die Anzahl der Locations reduziert, aber die Planung intensiver macht. Council of Europe+1
Interessante Fakten & Hinweise für Produzenten und Location-Manager
Förderwirkung: Viele Förderprogramme zahlen nur für Kosten, die in Deutschland anfallen. Das macht es wirtschaftlich attraktiv (und oft notwendig), Dreharbeiten zumindest teilweise on-site in Deutschland durchzuführen. FFA
Regionale Hotspots: Berlin-Brandenburg, München/Bavaria, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg haben jeweils ausgeprägte Infrastrukturen (Studios, Crews, Services, Film-Commissions). Business Location Center+1
Shooting-Tage sind aussagekräftig: Ein einzelnes Bundesland kann mehrere Tausend Shooting-Tage pro Jahr verzeichnen (z. B. Berlin-Brandenburg ~5.000 Shooting-Tage 2024) — das ist ein praktischer Indikator für On-Set-Aktivität. Medienboard
Fazit — kurz & journalistisch
Eine exakte Prozentzahl „X % des Materials wird on-set in Deutschland produziert“ gibt es nicht in einer einzigen amtlichen Statistik. Aber: Förderregeln, regionale Shooting-Tageszahlen und Branchenberichte zeigen klar: Deutschland bleibt ein starkes On-Location-Land. Große Produktionen verwenden viele Locations (mehrere pro Episode), kleinere Produktionen deutlich weniger — und Förderanreize zusammen mit Nachhaltigkeits- und Kostenfaktoren prägen inzwischen die Location-Entscheidungen. Für Produzenten heißt das: vorproduzieren, regional smart planen, Förderkriterien einhalten — und bei komplexen Serienproduktionen mit Dutzenden Locations rechnen.FFA+2Medienboard+2