
People sitting at a table in a rustic cabin. von Hanna Lazar / Unsplash Unsplash License
Motivmiete lässt sich nicht sauber über Quadratmeter berechnen. Entscheidend sind Produktionsart, Störung, Exklusivität, Räume, Zeiten, Crewgröße, Nutzungsrechte, Nebenkosten, Versicherung und dein Mindestpreis.
Motivmiete berechnen heißt nicht: Quadratmeter mal Stundensatz. Eine faire Filmlocation-Miete entsteht aus dem Wert des Motivs, dem Aufwand für den Host, dem Nutzen für die Produktion und den Risiken, die vor und nach dem Dreh entstehen.
Für Hosts ist die richtige Frage: Ab welchem Betrag lohnt sich die Störung wirklich? Für Produktionen lautet sie: Welcher Preis macht die Location verlässlich nutzbar, ohne versteckte Kosten nach der Zusage zu erzeugen?
Dieser Beitrag ist eine Kalkulationshilfe, kein verbindlicher Preisspiegel und keine Steuer- oder Rechtsberatung. Nutze ihn, um eine nachvollziehbare Preislogik aufzubauen und danach konkrete Angebote zu vergleichen.
LocationRobot beschreibt das Kernproblem treffend: Es gibt keine festen Regeln oder überregionalen Absprachen, weil jede Location und jede Produktion anders ist (LocationRobot). Genau deshalb sollte die Motivmiete nicht aus einer einzelnen Zahl entstehen, sondern aus mehreren Preisfaktoren.
Eine Villa, eine Mietwohnung, ein Restaurant, ein Büro und eine Fabrikhalle werden nicht nach derselben Logik bewertet. Noch wichtiger: Eine Social-Ad mit fünf Personen ist nicht dasselbe wie ein Werbedreh mit 35 Personen, Licht-Lkw und internationaler Nutzung.
Der Mindestpreis ist der Betrag, ab dem du die Location für einen Produktionstag wirklich freigeben würdest. Er deckt nicht den Marktwert ab, sondern deinen eigenen Aufwand: Vorbereitung, Anwesenheit, entgangene Nutzung, Unsicherheit, Rückbau und die mentale Last, Fremde in sensible Räume zu lassen.
Die California Film Commission empfiehlt Eigentümern, eine gestaffelte Preislogik nach Produktionsbudget und Crewgröße aufzubauen und Prep- sowie Strike-Zeit gesondert zu berücksichtigen (California Film Commission). Übertragen auf Deutschland heißt das: Dein Mindestpreis ist der Boden, nicht automatisch der finale Preis.
Foto, Social Content, Musikvideo, TV, Serie, Werbung und Kinofilm haben unterschiedliche Budgets und unterschiedliche Risiken für die Location. Eine kleine redaktionelle Fotostrecke kann weniger zahlen als ein Markenfilm, auch wenn beide denselben Raum nutzen.
Für Hosts ist das kein Freifahrtschein für Mondpreise. Produktionen vergleichen mehrere Motive. Ein Preis, der nicht zum Produktionswert passt, führt oft nicht zu einer besseren Verhandlung, sondern zu einer anderen Location.
Je mehr Bereiche gesperrt werden, desto höher sollte die Motivmiete sein. Ein Wohnzimmer für vier Stunden ist etwas anderes als ganzes Haus, Garten, Garage, Treppenhaus, Küche, Bad, Holding, Make-up, Cateringfläche und Parkplatz für einen kompletten Drehtag.
Bei Gewerbeflächen ist die Störung noch konkreter: Umsatzverlust, Mitarbeitende, Kundendaten, Waren, Öffnungszeiten, Lieferzonen und Markenflächen. Ein Restaurant, das einen ganzen Tag schließt, kalkuliert anders als ein leerstehendes Büro am Wochenende.
Der BVL-Leitfaden nennt als Orientierung 12 Stunden für einen Nutzungstag bei Film-, Vor- und Nacharbeiten und 10 Stunden bei Fotoaufnahmen. Darüber hinaus sollte eine Überstundenregelung greifen (BVL-Leitfaden für Motivverträge). Das ist für die Kalkulation wichtig, weil ein Drehtag ohne Zeitgrenze kein sauberer Preis ist.
Der gleiche Leitfaden nennt Auf- und Abbautage mit mindestens einer halben Tagesmiete und verweist darauf, dass Standtage ebenfalls vergütet werden können (BVL). In deiner Preislogik sollten also Drehtag, Vorbereitung, Rückbau, Overtime und Standzeit getrennt sichtbar sein.
Die Motivmiete bezahlt nicht nur körperlichen Zugang. Bei kommerziellen Produktionen spielt auch die spätere Nutzung der Aufnahmen eine Rolle. Website, Social Ads, TV, Streaming, Kino, Presse, Standbilder und internationale Kampagnen haben unterschiedliche Reichweite.
Wenn die Location besonders erkennbar ist oder mit einer Marke, einem privaten Zuhause oder sensiblen Räumen verbunden wird, sollte der Nutzungsumfang im Preis und im Motivvertrag auftauchen. Ein Buyout ohne klare Medien, Laufzeit und Gebiet ist kein sauberer Preisbaustein.
Reinigung, Strom, Heizung, Wasser, Müll, Security, Hausmeister, Elektriker, Schutzvlies, Möbellagerung, Schlüsselübergabe und zusätzliche Versicherungsklärung sind keine Details. Entweder sie sind im Tagessatz enthalten oder sie werden separat vereinbart.
Der BVL empfiehlt, eine Reinigungspauschale im Motivvertrag auszuweisen oder genaue Reinigungstermine und Umfang schriftlich zu definieren. In Einzelfällen kann auch eine Kaution sinnvoll sein (BVL-Leitfaden).
Für eine erste Kalkulation kannst du mit sechs Feldern arbeiten. Notiere für jedes Feld einen Wert oder eine Begründung. Am Ende entsteht kein automatischer Preis, aber eine nachvollziehbare Verhandlungsgrundlage.
Günstiger kann sinnvoll sein, wenn das Team klein ist, die Nutzung kurz bleibt, kaum Technik kommt, keine sensiblen Räume betroffen sind und die Produktion gut vorbereitet wirkt. Teurer ist plausibel bei Exklusivität, Nachtarbeit, großem Team, Betriebsausfall, wertvollem Inventar, schwieriger Logistik oder breiter Werbung.
Landauer Locations nennt für Wohnungen oder Häuser als Anbieter-Kommunikation 1.500 bis 5.000 Euro pro Drehtag und zusätzlich eine halbe Tagespauschale für Aufbau oder Abbautag (Landauer Locations). Das ist kein allgemeiner Tarif, aber ein Beispiel dafür, wie private Motive marktseitig eingeordnet werden.
SetScout kann dir die Verhandlung nicht abnehmen, aber die Anfrage besser machen. Je klarer Produktion, Datum, Räume, Crewgröße, Nutzung, Budgetrahmen und Sonderbedarf beschrieben sind, desto besser kann ein Host eine faire Motivmiete kalkulieren.
Hosts können ihre Location über Filmlocation anbieten vorbereiten. Produktionen sollten parallel die Filmlocation-Kosten und den Motivvertrag Film mitdenken, bevor sie eine verbindliche Anfrage stellen.
Starte mit deinem Mindestpreis für einen klar begrenzten Nutzungstag. Addiere Zuschläge für Räume, Störung, Crewgröße, Zeit, Nachtarbeit, Vorbereitung, Rückbau, Reinigung, Schutzmaßnahmen und Nutzungsrechte. Vergleiche danach, ob der Preis zum Produktionsumfang passt.
Ein klarer Startpreis hilft, aber die Bedingungen müssen erklärt sein. Schreibe, was im Tagessatz enthalten ist und was nur nach Absprache gilt. So können Produktionen seriös anfragen und du musst nicht jede Ausnahme nachträglich verhandeln.
Das hängt von deiner steuerlichen Situation, deiner Rolle als Anbieter und der konkreten Rechnung ab. Kläre früh, ob dein Preis netto oder brutto gemeint ist und ob Umsatzsteuer ausgewiesen wird. Für verbindliche Antworten brauchst du Steuerberatung.
Weitere Beiträge, die dich interessieren könnten

Industrial interior location von Ümit Yıldırım / Unsplash Unsplash License
Wer Drehorte nach Motiv sucht, braucht mehr als eine Kategorie. Der Brief muss Look, Epoche, Räume, Logistik, Rechte und versteckte Einschränkungen klären.

Production planning board von Walls.io / Unsplash Unsplash License
Drehplan Vorlage, Shotlist und Storyboard helfen nur dann bei der Locationplanung, wenn sie Motiv, Technik, Genehmigungen und Recce-Fragen sichtbar machen.

German city skyline von Florian Wehde / Unsplash Unsplash License
Berlin, Hamburg, Köln, München und Rhein-Ruhr im Vergleich: Motive, Genehmigungswege, Infrastruktur, Jahreszeiten, Kostenprofil und wann private Locations die bessere Wahl sind.