
Ein umfassender Guide in dem du alles erfährst was du über die Film Location Suche wissen musst.
Dieser umfassende Guide richtet sich an alle die mehr über die Location-Suche für Filme wissen wollen: Angehende Produktionsfirmen und Location Scouts, Low-Budget-Filmemacher:innen und Filmstudent:innen. Er deckt alle Aspekte der Drehortsuche ab – von den Grundlagen, über rechtliche Fragen zu Best Practices und praktischen Checklisten. Kurzum, alles um die perfekte Location für fiktionale Filmproduktionen jeder größe zu finden.
Bei einer Filmproduktion kann die Wahl des Drehorts über Erfolg oder Misserfolg einer Szene entscheiden. Location Scouting bezeichnet den Prozess, in der Vorproduktion geeignete Drehorte zu finden und ihre Tauglichkeit für den Dreh zu beurteilen.
Dabei geht es nicht nur darum, optisch passende Kulissen zu finden, sondern umfassende Informationen über jeden potenziellen Ort zu sammeln – von visuellen Aspekten bis zu logistischen Details. Ziel ist es, für jede Szene einen Ort bereitzustellen, der die kreativen Anforderungen (Stimmung, Ästhetik, Epoche) erfüllt und gleichzeitig praktisch realisierbar ist (zugänglich, sicher, bezahlbar, drehgenehmigt etc.).
Nicht selten steht ein ganzes Team mit teurem Equipment am Set und wird durch eigentlich vorhersehbare Umstände behindert. Gute Locationsuche soll solche Überraschungen vermeiden. Ein gründlich ausgewählter Drehort kann den Dreh erheblich vereinfachen, während ein ungeeigneter Ort zu Verzögerungen, Mehrkosten oder Kompromissen bei der Qualität führt. Deshalb sollte die Locationsuche früh in der Pre-Production beginnen und eng mit Regie, Szenenbild, Produktion und anderen Gewerken abgestimmt werden.
Die Zielsetzung der Locationsuche lässt sich wie folgt zusammenfassen:
· Kreative Passgenauigkeit: Der Drehort soll das im Drehbuch beschriebene Setting glaubwürdig vermitteln. Im Idealfall wird der Ort selbst zu einem Charakter im Film, der Stimmung und Story unterstützt. Dies muss insbesondere mit Regie und Kamera abgeklärt werden, welche die kreative Vision schützen.
· Praktische Realisierbarkeit: Ein Ort mag optisch beeindrucken, muss aber auch logistisch machbar sein. Dazu gehören Zugänglichkeit für LKWs und Technik, ausreichender Platz für die Base, Kamera, Licht und Crew, sowie vorhandene Infrastruktur (Strom, sanitäre Anlagen etc.). Ebenso wichtig sind rechtliche Machbarkeit (Drehgenehmigungen, Eigentümererlaubnis) und Sicherheit. Und auch die Lautstärke der Umgebung kann entscheidend sein um gute Tonaufnahmen zu produzieren.
· Budgeteinhaltung: Die Location sollte finanziell ins Konzept passen. Eine Location die hohe Mieten oder Reisekosten verursacht, muss gegen den Nutzen abgewogen werden. Die richtige Suche kann kostengünstigere Alternativen aufzeigen, ohne die kreative Vision zu gefährden. Budgetrestriktionen.
Je nach Genre und Stimmung des Films unterscheiden sich die Anforderungen an den Drehort erheblich. Genre Alignment ist ein wichtiger erster Schritt: Die gewählte Location sollte das Genre visuell und atmosphärisch unterstützen. Hier einige Beispiele:
· Drama / Romantik: Authentische Alltagsorte oder idyllische Kulissen, die Emotionen tragen. Eine romantische Komödie profitiert von lebendigen, freundlichen Umgebungen – etwa ein charmantes Straßencafé, ein blühender Park oder eine helle Stadtwohnung. Wichtig ist eine warme Stimmung, evtl. belebte Orte mit „Leben“, sofern Tonprobleme lösbar sind.
· Thriller / Noir: Düsterere, kontrastreiche Locations. Enge Gassen bei Nacht, verlassene Lagerhäuser, U-Bahn-Schächte oder Neon-beleuchtete Straßenzüge erzeugen Spannung. Hier muss man besonders auf Lichtquellen und Schattenwurf achten, um die gewünschte Stimmung einzufangen.
· Horror: Eher isolierte, unheimliche Orte – z.B. ein verlassenes Haus, ein Waldstück im Nebel oder eine alte Fabrikruine. Diese Drehorte sollen das Gefühl von Bedrohung oder Einsamkeit vermitteln. Gleichzeitig stellen solche Locations besondere Herausforderungen: Sie liegen oft abseits (logistisch aufwendig), können baufällig oder gefährlich sein (Sicherheit prüfen!) und erfordern evtl. umfangreiche Genehmigungen (z.B. bei Nachtdreh im Wald).
· Historischer Film / Period Piece: Authentische historische Kulissen sind gefragt. Das können denkmalgeschützte Gebäude, Schlösser, Altstadtgassen oder Museen sein. Wichtig ist die Epochechtheit – moderne Elemente müssen entfernt oder verdeckt werden (Antennen, Verkehrsschilder etc.) oder später digital retuschiert werden. Historische Drehorte erfordern oft zusätzliche Abstimmungen mit Behörden (Denkmalschutz) und sorgfältigen Umgang, auch aus Nachhaltigkeitsgründen (Schutz wertvoller Bausubstanz).
· Action: Große, offene Locations für Verfolgungsjagden oder Stunts (z.B. weite Straßen, Parkplätze, Industriegelände) oder spezielle Locations wie Flughäfen, Bahnhöfe etc. Hier steht die Sicherheit an oberster Stelle – Absperrungen, Stunt- und Feuerwehraufsicht sind meist nötig. Gleichzeitig muss genug Platz für hohe Geschwindigkeiten, Stuntequipment oder Pyrotechnik vorhanden sein. Action-Drehorte erfordern auch umfangreiche Genehmigungen und oft Kooperation mit lokalen Behörden (Straßensperrungen, Polizei).
· Fantasy / Science-Fiction: Futuristische oder ungewöhnliche Locations (moderne Architektur, High-Tech-Labore) oder neutrale, „leere Leinwände“ (etwa große Hallen, Greenscreen-Studios), die sich per VFX verwandeln lassen. Bei Sci-Fi muss man häufig kreativ improvisieren: Ein unscheinbarer Ort kann mit Setdesign zur außerirdischen Welt werden. Wichtig ist, dass die Umgebung kontrollierbar ist – oft dreht man Studio/On Location hybrid: reale Kulisse plus erweiterte digitale Hintergründe.
Das verfügbare Budget hat enormen Einfluss auf die Location-Auswahl. Hier unterscheiden sich Vorgehensweisen zwischen Großproduktionen und Low-Budget-/No-Budget-Filmen:
Größere Budgets erlauben es, nahezu jeden gewünschten Drehort zu realisieren – sei es durch Reisen an Originalschauplätze im Ausland, Anmietung prominenter Locations oder den Bau von Sets im Studio. Teure Setbautenbieten maximale Kontrolle (Wetter, Licht, Lärm) und können exakt dem Drehbuch entsprechen, sind aber kostenintensiv.
Viele Kinoproduktionen entscheiden sich für eine Mischung: reale Locations für Außenaufnahmen und Studio-Sets für Innenräume, um Authentizität und Kontrolle auszubalancieren.
Ein hoher Budgetrahmen ermöglicht außerdem die Absicherung alternativer Drehorte (Backup-Locations), aufwendige Umgestaltungen von Locations und umfangreiche logistische Maßnahmen (z.B. ganze Straßenzüge absperren, Fuhrparks etc.).
Dennoch muss auch im High-End-Bereich sinnvoll gewirtschaftet werden: Fördermittel und Anreize beeinflussen oft die Location-Wahl. In Deutschland gibt es regionale Filmförderungen, die Ausgaben im jeweiligen Bundesland voraussetzen (Fördereffekte). Und im Ausland gibt es oft Tax Rebate Systeme die einen Prozentsatz des dort ausgegebenen Geldes erstatten. Produzenten wägen steuerliche Anreize oder Zuschüsse ab, bevor sie sich für einen Drehort entscheiden. So drehen große internationale Produktionen z.B. in Regionen mit Filmförderung oder Tax Rebates, sofern die inhaltlichen Anforderungen es zulassen.
Hier liegt man zwischen den Extremen. Es gibt Budget für einige gesicherte Top-Locations, aber nicht für alles. Oft werden Kompromisse geschlossen: Vielleicht wird eine teure Location nur für Schlüsselszenen gemietet, während weniger wichtige Szenen an günstigeren Orten gedreht werden. Oder man verlegt die Handlung etwas, um an einem kostengünstigeren Ort drehen zu können. Durch viel Arbeit im Produktionsbüro, kann man sich hier und da den Location-Scout sparen.
Bei sehr begrenzten Mitteln sind kreative Lösungen gefragt. Das Motto lautet oft: Maximum Production Value fürs Geld. Praktisch bedeutet das, Locations zu finden, die wenig oder nichts kosten, aber trotzdem filmisch wirken.
Eigene Motive und Beziehungen werden hier wichtig: Vielleicht kann das Haus eines Freundes als Drehort dienen, oder ein lokales Geschäft lässt einen nach Ladenschluss drehen – oft gratis oder gegen eine kleine Aufwandsentschädigung.
Behörden unterstützen Studentenfilme und Indie-Produktionen manchmal kulant, z.B. durch geringere Gebühren für Drehgenehmigungen.
Entscheidend ist, die Locations möglichst nah beieinander zu wählen, um Kosten und Zeit für Transporte zu sparen.
Bei No-Budget-Projekten empfiehlt es sich, die Anzahl der Locations im Drehbuch bewusst zu reduzieren und mehrere Szenen an denselben Orten spielen zu lassen, um den Aufwand gering zu halten.
Zudem wird verstärkt auf bestehende Gegebenheiten gesetzt statt teurer Umbauten: ein ohnehin atmosphärischer Keller braucht vielleicht nur wenig Ausstattung, um als Horror-Setting zu dienen.
In allen Budgetstufen gilt: eine durchdachte Planung kann Kosten senken. Beispielsweise sind entlegene, schwer zugängliche Orte oft teurer (Transport, Unterkunft der Crew) als urbane, gut angebundene Locations.
Ebenso können Drehgenehmigungsgebühren oder Auflagen (Aufpasser, Feuerwehr, Reinigung) je nach Locationtyp stark variieren – das muss früh einkalkuliert werden.
Im Zweifel lohnt es sich, Alternativen zu prüfen: Könnte ein Green-Screen oder Miniaturmodell anstelle des Originalschauplatzes genügen? Kann man eine Szene umschreiben, um sie an einem günstigeren Ort zu drehen? Solche Fragen begleiten den kreativen Prozess, damit am Ende sowohl die visuelle Qualität stimmt als auch der finanzielle Rahmen.
Zusammengefasst: Das Drehbuch bestimmt den Look und Atmosphäre der Locations, das Budget bestimmt den Grad der Machbarkeit. Ein guter Locationscout oder Produktionsleiter denkt diese beiden Dimensionen immer zusammen. So entsteht ein realistischer Location-Plan, der künstlerisch überzeugt und praktisch umsetzbar ist.
Die Suche nach geeigneten Drehorten ist Detektivarbeit und kreativer Rechercheprozess zugleich. Es gibt verschiedene Methoden, die je nach Projekt kombiniert werden sollten:
Das Internet ist ein mächtiges Werkzeug. Es existieren zahlreiche Location-Datenbanken – sowohl öffentliche Portale der Film Commissions als auch kommerzielle Location-Agenturen. Beispielsweise betreiben die Filmcommissions der Bundesländer oder von Städten Online-Kataloge mit Drehorten in ganz Deutschland. In solchen Datenbanken lassen sich manche Filter setzen, und man sieht Fotos, Beschreibungen sowie Kontaktdaten. Vorteil: Diese Orte sind in der Regel filmfreundlich und es gab schon Drehs dort – man kann daher annehmen, dass eine Genehmigung grundsätzlich möglich ist und die Eigentümer aufgeschlossen sind.
Neben staatlichen Datenbanken gibt es Plattformen wie Locationhero, Locationrobot, Luricky, Giggster oder Peerspace, die nach dem Airbnb-Prinzip Locations vermitteln (besonders für Fotoshootings und Werbedrehs beliebt).
Nachteil: Diese Location Datenbanken enthalten meist zwischen 500-1500 Drehorte, und sind nicht einfach zu durchsuchen. Wer sehr spezifische Drehorte sucht, wie beispielsweise eine grüne Küche, muss hunderte von Drehorten durchforsten und sich die Bilder anschauen, um eine solche Küche zu finden.
In solchen Fällen ist man oft mit einer visuellen Meta-Suchmaschine besser bedient, die wie Skyscanner oder Check24 Drehorte überall aus dem Netz in einem Index bündelt, und mit KI visuell durchsuchbar macht. So beispielsweise SetScout.
Klassische Suchmaschinen und Social-Media-Plattformen sind überraschend hilfreich. Google Maps/Earth ermöglicht das virtuelle Scouting: Im Satellitenmodus kann man Gelände und Gebäude aus der Vogelperspektive erkunden, über Street View virtuelle Spaziergänge an Straßen entlang machen, und mit Tools wie Google Earth Pro sogar Sonnenstände zu bestimmten Tageszeiten simulieren.
Soziale Plattformen hilfreich: Mit Hashtags oder Geo-Tags findet man real existierende Orte, die Leute fotografiert haben. Zum Beispiel könnte man für einen verwunschenen See in Brandenburg Hashtags wie #Brandenburg #See #Morgennebel durchsuchen – eventuell stößt man auf genau das richtige Motiv durch Bilder von Ausflüglern. Auch Fotografie-Communities** (Flickr, 500px) oder Websites wie locationscout.net (primär für Fotografen) können inspirierende Spots liefern. Tipp: Influencer und Fotografen markieren oft fotogene Orte; deren Posts sind indirekt Location-Ideen. Natürlich ersetzt das nicht die spätere Besichtigung.
Die Filmbranche lebt von Kontakten. Oft führt der informelle Weg zum Ziel: Kolleg:innen, Filmhochschulen, regionale Filmnetzwerke fragen. Vielleicht kennt ein befreundeter Kameramann eine tolle Fabrikhalle, in der er vor kurzem drehte, oder ein Produktionsleiter einer anderen Firma kann eine Schule empfehlen, die Dreharbeiten erlaubt.
In Deutschland haben fast alle Bundesländer eine Film Commission oder Städte ein Filmbüro, welche beratend zur Seite stehen. Diese Anlaufstellen können zwar nicht immer direkt eine Location vermitteln, aber sie kennen die örtlichen Gegebenheiten gut und können Tipps geben, wo man anfragen sollte und welche Behörden zuständig sind. Ebenso kann es helfen, in Communities (z.B. Facebook-Gruppen für Filmemacher) um Rat zu fragen – manchmal teilen Ortskundige ihre Geheimtipps.
Beispiel: In einer Low-Budget-Runde könnte jemand sein Büro kostenfrei abends anbieten oder einen Kontakt zur Besitzerin eines Cafés herstellen. Ein breites Netzwerk ist eines der wichtigsten „Tools“ für Location Scouts – die besten Drehorte liegen oft abseits der offiziellen Pfade und werden durch persönliche Empfehlungen gefunden.
Wenn Budget und Umfang es zulassen, kann die Beauftragung eines erfahrenen Location Scouts oder einer Location-Agentur sehr sinnvoll sein. Professionelle Scouts haben meist einen eigenen Archiv-Pool an Motiven und kennen ihre Region in- und auswendig.
Sie wissen, mit welchen Eigentümern man gut zusammenarbeiten kann, welche Locations verfügbar und erschwinglich sind und welche Fallstricke zu beachten sind. Zudem übernehmen sie Vor-Recherchen, fotografieren und präsentieren eine Auswahl an Vorschlägen.
Ein Vorteil: Ein Scout denkt sowohl kreativ als auch logistisch. Gute Scouts achten nicht nur auf die Optik, sondern prüfen schon beim Suchen, ob die Location praktisch umsetzbar ist – genügend Platz, Zugang, ob der Eigentümer überhaupt Filmarbeiten zulässt und zu welchem Preis. So spart man der Produktion Zeit und schützt sich vor bösen Überraschungen.
Gerade bei internationalen Drehs oder fremden Städten ist oft ein lokaler Location-Scout oft unverzichtbar, um Behördengänge und kulturelle Gegebenheiten zu meistern. Viele Film Commissions (z.B. Film Commission Bayern) bieten auch an, für ausländische Projekte Scoutings zu unterstützen, um ihr Gebiet attraktiv zu machen.
Nachteil: Locationscouts sind oft mit höheren Kosten verbunden, und für Low- und Mid-Budget Projekte oft nicht erschwinglich. Sie verlangen oft Tagessätze von 500€ und nehmen zusätzlich eine Provision von 10-15% basierend auf dem Gesamtmietpreis für einen Drehort.
Ein unorthodoxer, aber nützlicher Zugang: sich von bestehenden Werken inspirieren lassen. Gibt es Filme mit ähnlicher Stimmung? Wo wurden diese gedreht? Film-Datenbanken oder DVD-Bonusmaterial verraten oft die Drehorte berühmter Szenen. Wenn beispielsweise eine bestimmte Berliner Altbau-Wohnung in einer Serie sehr authentisch wirkte, lohnt es sich nachzusehen, ob diese Wohnung real existiert oder ein Set war.
Ebenso können Drehort-Führer (als Bücher oder Websites) hilfreich sein, die berühmte Filmlocations auflisten. Allerdings: Beliebte Filmlocations (z.B. das Brandenburger Tor oder Schloss Neuschwanstein) sind zwar ikonisch, aber logistisch anspruchsvoll und nicht originell. Daher besser Inspiration holen, aber dann nach eigenem Projektmaß filtern.
Tipp: Lege von Anfang an eine Liste potenzieller Locations an (z.B. in einer Tabelle oder Notiz-App), in der du alle vielversprechenden Ideen sammelst – mit Links, Kontaktinfos und ersten Eindrücken. So behalten man den Überblick, welche Optionen es gibt, und können Vor- und Nachteile abwägen. Oft lohnt es sich, mehrere Alternativen pro geplantem Drehort zu recherchieren, falls eine nicht klappt. Dieser systematische Ansatz zahlt sich in der nächsten Phase – der Besichtigung – aus.
Hier nochmal eine Liste mit Tools und Hilfsmittel, die das Auffinden und Evaluieren von Locations erleichtern.
--> Wer all diese Seiten auf einmal mit einer einfach zu bedienenden Suche durchsuchen will, nutzt SetScout.
Für größere Produktionen existiert Software, die die Verwaltung von Locations erleichtert. Tools wie Yamdu, StudioBinder oder PreProducer bieten Module, um Location-Daten zentral zu speichern, Fotos hochzuladen, Freigaben zu verwalten und sogar Team-Zugriff zu ermöglichen. Damit kann man z.B. allen Abteilungsleitern eine digitale Locationmappe bereitstellen. Für die eigentliche Suche sind solche Tools weniger relevant, aber für die Organisation unverzichtbar, wenn es dutzende Drehorte gibt.
Ein fortgeschrittenes Tool bei der Location-Präsentation sind Drohnenaufnahmen oder 360-Grad-Panoramen. Ein:e Locationscout kann mit einer Drohne Luftaufnahmen der Location machen, um dem Regisseur einen Gesamteindruck von Umgebung und Zugängen zu geben, und dem Technikteam zu zeigen, wo bspw. ein Kran stehen könnte oder wie isoliert das Gelände liegt.
360°-Fotos (mit speziellen Kameras oder inzwischen auch Smartphones) ermöglichen es, später im Büro virtuell den Kopf zu drehen und den Ort aus allen Winkeln zu betrachten. Diese Technologien sind nicht zwingend nötig, aber können einen professionellen Eindruck hinterlassen und helfen, das Team im Vorfeld auf die Gegebenheiten einzustimmen.
Hat man eine vielversprechende Location entdeckt, beginnt der vielleicht sensibelste Teil: die Kontaktaufnahme und Verhandlung mit denjenigen, die über die Nutzung entscheiden – also den Eigentümer:innen (oder Verwalter:innen) und ggf. zuständigen Behörden. Ein professionelles und transparentes Vorgehen ist hier das A und O, um sowohl Zustimmung zu erhalten als auch langfristig gute Beziehungen aufzubauen.
Erster Kontakt mit privaten Eigentümer:innen: Oft sind Locations in Privatbesitz – sei es ein Haus, ein Laden, ein Firmengelände oder eine Fabrik. Wenn möglich, sollte die erste Ansprache durch persönlichen Kontakt erfolgen. Das kann ein Telefonat sein oder – bei öffentlich zugänglichen Orten – ein kurzer Besuch vor Ort, um den/die Verantwortliche:n zu ermitteln.
Stelle dich und das Projekt höflich vor: Wer bist du (z.B. Filmstudent:in, unabhängige Produktion oder beauftragter Location Scout einer Firma), was ist geplant (Art des Films, grober Umfang der Dreharbeiten) und warum hast du ausgerechnet diese Location ins Auge gefasst.
Authentizität und Begeisterung können helfen: Eigentümer:innen reagieren oft positiv, wenn sie spüren, dass ihr Ort eine wichtige Rolle im Film spielen soll. Zugleich muss man ehrlich über die Belastungen informieren: Wie viele Leute kämen, welches Equipment, wie lange man dort drehen möchte, ob laute Effekte geplant sind oder Nachtaufnahmen etc. Diese Informationen sind wichtig, damit die Person einschätzen kann, worauf sie sich einlässt. Viele Menschen haben keine Vorstellung vom Aufwand eines Drehs – hier ist Aufklärung gefragt, aber ohne die Leute zu verschrecken.
Verhandlung und Vereinbarung: Wenn grundsätzlich Interesse besteht, geht es in die Details. Motivmiete (Location-Miete) ist ein zentrales Thema: Bei Low-Budget kann man auf Kulanz hoffen („Wir können leider kaum etwas zahlen, aber wir bieten einen Credit im Abspann, Einladung zur Premiere, und sorgen natürlich für Versicherungsschutz“), bei professionellen Projekten wird ein Mietpreis verhandelt.
Hier ist wichtig zu wissen: Es gibt keine festen Tarife, die Höhe der Motivmiete ist frei verhandelbar. Oft orientiert man sich an Vergleichswerten: Zum Beispiel bei Wohnungen gilt als grober Richtwert etwa eine Kaltmiete pro Drehtag, bei längeren Drehs eher eine Pauschale. Für Leerstände oder ungenutzte Gebäude liegt der Satz in der Regel niedriger, da keine Bewohner gestört werden.
Neben dem Preis sollten weitere Punkte besprochen werden: Zeitrahmen (inkl. Auf- und Abbauzeiten), Rückbau und Reinigung (wird alles wieder hergestellt wie vorgefunden? Wer übernimmt die Endreinigung?), Haftung bei Schäden(Bestätigung, dass eine Haftpflichtversicherung der Produktion besteht), eventuelle Einschränkungen durch den Eigentümer (z.B. „Bitte nicht die Wände neu streichen, oder wenn doch, dann danach wieder zurückstreichen“, oder Rauchverbot in Innenräumen, Schonung empfindlicher Böden etc.).
Diese Punkte fließen üblicherweise in einen Motivmietvertrag ein, der unbedingt abgeschlossen werden muss. Ein solcher Vertrag schützt beide Seiten: Die Produktion weiß, wozu der Eigentümer zugesagt hat, hat die Rechte an der Verwertung der Aufnahmen die an dem Drehort entstehen, und der Eigentümer hat schriftlich, was erlaubt ist und dass z.B. im Schadensfall die Produktion haftet.
Tipp: Tritt professionell, aber nicht unnahbar auf. Gerade wenn du kein Großprojekt bist, hilft persönliches Vertrauen. Versetze dich in die Lage der Eigentümer:innen: Diese geben fremden Menschen Zugang zu ihrem Eigentum. Zeige Verständnis für ihre Bedenken. Biete an, vorab ein Treffen vor Ort zu machen, bei dem man alle Räume zeigt und Fragen klärt. Dabei können oft Ängste genommen werden – etwa indem man erklärt, dass das Team Rücksicht nehmen wird, Schutzmatten auslegt, empfindliche Möbel einlagert etc. Halte diese Zusagen unbedingt ein! Wenn du versprichst, dass um 22 Uhr Schluss ist, dann sorge auch dafür. Eine gute Kommunikation und Zuverlässigkeit führt dazu, dass Eigentümer:innen auch künftig gern Filmteams empfangen. Negative Erfahrungen sprechen sich rum und erschweren zukünftigen Produktionen die Verhandlungen.
Sobald öffentliche Flächen involviert sind (z.B. Dreh auf Straßen, Plätzen, Parks) oder besondere Genehmigungen gebraucht werden, kommt man an Behörden nicht vorbei.
Hier empfiehlt es sich, frühzeitig Kontakt aufzunehmen, da die Bearbeitungszeiten mehrere Wochen betragen können. Zuständig ist in Deutschland in der Regel das Ordnungsamt der Gemeinde bzw. bei Bundesstraßen/Autobahnen die entsprechende Straßenverkehrsbehörde.
Viele Städte – gerade Medienstädte wie Berlin, München, Köln – haben eigene Filmbüros, die als Schnittstelle dienen und genau sagen können, welches Amt für was zuständig ist, oder Genehmigungen selbst ausgeben. Einige Städte wie Köln und München stellen Formulare bereit und geben Fristen von ~10 Werktagen Vorlauf.
Der Ton gegenüber Behörden sollte formal höflich und präzise sein. Ein Antrag auf Drehgenehmigung enthält typischerweise: Angaben zur Produktionsfirma, Ansprechperson vor Ort, Datum und Uhrzeit des Drehs, genaue Adresse oder Beschreibung der Location, Beschreibung der Szene (wichtig für die Beurteilung, ob z.B. laute Effekte oder Menschenansammlungen zu erwarten sind), ein vermaßter Plan des Bereichs und Auflistung der geplanten Aufbauten auf öffentlichem Grund (Stative, Scheinwerfer, Gerüste, Kabelwege, Absperrungen, Parkplätze für Fahrzeuge etc.).
In München z.B. nutzt man einen einheitlichen Motivbogen als Antrag, der all diese Punkte abfragt.
Wichtig: Beantrage lieber grosszügig – also z.B. etwas mehr Zeit als nötig, oder ein paar Parkplätze extra – denn Nachmeldungen sind schwerer als etwas nicht auszunutzen, was genehmigt wurde.
Die Behörde prüft den Antrag, stimmt sich ggf. mit anderen Ämtern ab (Verkehrsamt, Polizei, Grünflächenamt je nach Bedarf) und erteilt dann eine Drehgenehmigung / Sondernutzungserlaubnis, oft verbunden mit Auflagen und Gebühren.
In vielen Fällen sind Kleinstdrehs ohne nennenswerte Behinderung der Öffentlichkeit und mit sehr geringem Equipment (Handkamera, keine Sperrung, kein Fahrzeugaufkommen) genehmigungsfrei
Dennoch ist Vorsicht geboten: Was „erlaubnisfrei“ ist, legen Kommunen unterschiedlich aus. Am besten nachfragen oder im Zweifel eine formlose Drehmeldung machen (z.B. E-Mail ans Ordnungsamt: „Wir drehen dort und dort, sind 3 Personen, kein Equipment außer Kamera – bitte um Kenntnisnahme“). In sensiblen Bereichen (Regierungsviertel, Bahnhöfe, Flughäfen) sollte man selbst bei kleinem Team immer vorab um Erlaubnis bitten, um nicht in Konflikte zu geraten
Wenn eine Genehmigungspflicht besteht, werden im Dialog mit der Behörde die Abläufe am Set abgesprochen. Möglicherweise stellt die Stadt zusätzliche Auflagen: Etwa dass bei Nachtaufnahmen Anwohner informiert werden müssen, oder dass ein Ordnungspolizist vor Ort sein muss, oder dass die Lautstärke nach 22 Uhr auf ein gewisses Maß reduziert wird.
Auch Verkehrsmaßnahmen (Halteverbote, Straßensperrungen) werden hier geregelt. Als Produktionsleitung muss man das sehr ernst nehmen – diese Auflagen dienen der Sicherheit und dem reibungslosen Ablauf. Ein genehmigter Dreh genießt dann auch Schutz: Innerhalb des genehmigten Rahmens darf das Team arbeiten, ohne wegen Lärms oder Verkehrsbehinderung belangt zu werden. Die Polizei muss informiert werden, so dass keine unnötigen Unterbrechungen passieren.
Tipp: Wichtig zu wissen: Unterschiedliche Orte = unterschiedliche Zuständigkeiten. Für Bundesfernstraßen (Autobahnen) ist z.B. Straßenbaubehörde/Landesbetrieb zuständig, für Bahnanlagen die Deutsche Bahn (Pressestelle der DB für Bahnhöfe/Gleise), für Gewässer eventuell Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt. Wenn unklar, im Zweifel beim städtischen Film Office erfragen.
Baue ein Vertrauensverhältnis auf – sowohl mit Privaten als auch Ämtern. Bei Eigentümer:innen kann es nett sein, nach dem Dreh eine kleine Aufmerksamkeit zu hinterlassen (z.B. Blumen, eine Dankeskarte) und sie zur Preview einzuladen, damit sie sehen, was aus ihrem Ort geworden ist.
Bei Behörden lohnt es sich, verlässlich zu sein: Halte die im Antrag genannten Zeiten penibel ein, melden den Abschluss der Dreharbeiten und hinterlasst den öffentlichen Raum sauber.
Dann wird man beim nächsten Mal auf deinen Namen positiv reagieren. Für Serien oder wiederkehrende Formate entwickelt sich so eine Routine mit den Städten. Und denke daran: Bleibe freundlich und geduldig. Manchmal erfordert es mehrere Telefonate oder Rückfragen, bis alle Genehmigungen da sind. Nicht unhöflich drängeln – Beamte haben klare Prozesse. Wenn’s eilt, hilft eventuell der Film Commission Mitarbeiter als Vermittler oder ein persönlicher Termin.
Zusammenfassend: Erfolgreiche Kommunikation beruht auf Ehrlichkeit, Klarheit und Zuverlässigkeit. Du verkaufst im Grunde die Idee, dass ein Filmdreh zwar Aufwand bedeutet, aber auch Vorteile hat, sowie reibungslos und professionell ablaufen wird. Kannst du dieses Vertrauen vermitteln, öffnen sich die meisten Türen.
In diesem Abschnitt bündeln wir die wichtigsten rechtlichen und organisatorischen Pflichten rund um die Location – die trockene, aber unverzichtbare Seite der Film Location Suche
Drehgenehmigungen im öffentlichen Raum: Wie bereits angesprochen, ist für Dreharbeiten auf öffentlichen Flächen in der Regel eine Genehmigung der Behörde nötig.
Nutzungsverträge (Location-Verträge) mit Privaten: Drehs in oder auf privatem Gelände bedürfen immer der Zustimmung des Eigentümers. Auch wenn theoretisch mündliche Absprachen gelten, ist es dringend ratsam, einen schriftlichen Motivmietvertrag (Location Agreement) abzuschließen Dieser Vertrag regelt die Rechte und Pflichten beider Seiten: Der Eigentümer (Motivgeber) erlaubt die Nutzung seines Eigentums zum Zweck von Filmaufnahmen, und die Filmproduktion verpflichtet sich zu bestimmten Auflagen (Miete zahlen, Schäden ersetzen, zeitlich begrenzen usw.). Ein solches Dokument schützt beide Seiten, wie oben beschrieben. In Deutschland gibt es Mustervorlagen, z.B. beim Bundesverband Locationscouts (BVL), der einen standardisierten Location-Mietvertrag als PDF/Word bereitstellt[Link zum PDF].
Darin werden i.d.R. folgende Punkte abgedeckt:
Beide Parteien unterschreiben diesen Vertrag. Damit ist man rechtlich auf der sicheren Seite, sollte es später zu Streit kommen (etwa über einen Kratzer am Parkettboden – dann schaut man, was im Vertrag zum Thema Schäden stand).
Ein ganz wesentlicher Punkt – nicht nur wegen Verträgen, sondern für den eigenen Schutz. Jede professionelle Produktion sollte eine Produktionshaftpflichtversicherung haben. Diese deckt Personen- und Sachschäden ab, die im Zusammenhang mit dem Dreh entstehen (z.B. ein Scheinwerfer fällt um und beschädigt den Fußboden oder verletzt jemanden).
Ohne Versicherung haftet im Zweifel der Produzent bzw. der Veranstalter persönlich – ein immenses Risiko. Daher: Schon in der Planungsphase eine passende Versicherung abschließen. Für Studentenfilme gibt es oft über die Hochschule oder Verbände Rahmenverträge. Viele Städte verlangen bei Drehgenehmigungen einen Versicherungsnachweis, insbesondere wenn öffentliche Güter betroffen sind. Wichtig: Im Schadenfall sofort dokumentieren (Fotos, Bericht) und der Versicherung melden, damit die Regulierung schnell läuft.
Ein manchmal übersehener Aspekt: Was ist, wenn am Drehort geschützte Werke zu sehen sind (z.B. Gemälde, Kunstobjekte) oder Personen, die nicht gefilmt werden wollen? Streng genommen muss man bei urheberrechtlich geschützten Werken (Kunst, Architektur) die Nutzungsrechte beim Urheber erwerben.
Wird das Kunstwerk prominent, und eventuell sogar als wichtiges Element des Films oder der Serie abgebildet, so sind Nutzungsrechte des Urhebers einzuholen. AUCH wenn das Bild vom Motiveigentümer erworben wurde, da Nutzungsrechte hier nicht mit übertragen werden. Ist es maximal ein Nebenelement das mal teilweise im Hintergrund zu sehen ist, jedoch keine künstlerische Rolle spielt, bist du auf der sicheren Seite. Steht das Werk an einem öffentlichem Ort, dann fällt es unter die Panoramafreiheit (bei Innenräumen nicht der Fall).
Einige Dreh-Aktivitäten erfordern zusätzliche Erlaubnisse:
Die rechtlichen Aspekte mögen lästig wirken, sind aber der Rückhalt der Produktion. Wenn Verträge und Genehmigungen sauber sind, kann man sich am Drehtag auf die kreative Arbeit konzentrieren, weil man weiß, dass alles legitim ist.
Andernfalls schwebt ständig die Gefahr eines Abbruchs oder Konflikts im Raum. Gerade Low-Budget-Teams sollten hier nicht nachlässig sein. Unwissen schützt vor Strafe nicht, und ein fehlender Zettel kann im schlimmsten Fall Bußgelder oder Drehstopp bedeuten. Lieber also etwas mehr Bürokratie im Vorfeld als Chaos während des Drehs.
Hinter jeder schönen Location steckt eine Menge Organisation. Sobald ein Drehort fest ins Auge gefasst wird, müssen zahlreiche logistische Fragen beantwortet und geplant werden. Diese Aspekte entscheiden darüber, ob der Drehtag reibungslos abläuft. Hier eine Checkliste wichtiger Punkte:
Wie erreichen Crew und Fahrzeuge den Ort? Ist die Location gut über Straßen erreichbar, oder gibt es Einschränkungen (z.B. Altstadt mit Pollern, nur Fußgängerzone, schmale Zufahrt)? Musst du eventuell Shuttle-Fahrten einplanen vom nächstgelegenen Parkplatz oder Bahnhof? Idealerweise sollte ein LKW oder Sprinter bis in die Nähe fahren können, insbesondere wenn schweres Equipment ausgeladen werden muss.
Gibt es vor Ort ausreichend Platz, um Fahrzeuge des Drehteams abzustellen (Equipment-Trucks, Catering-Wagen, PKWs der Crew)? Wenn nein, müssen Halteverbotszonen beantragt werden, oder du organisierst einen Sammelparkplatz und pendelst. Beim Einholen der Drehgenehmigung sollten Haltezonen gleich mitbeantragt werden. Denk dabei auch an Anwohnerparken – blockierte Anwohnerparkplätze können Unmut erzeugen, daher so planen, dass niemand unnötig gestört wird (ggf. Anwohner vorher informieren und um Verständnis bitten).
Kaum ein Dreh kommt ohne Strom aus. Prüfe frühzeitig, ob die Location über ausreichende Stromanschlüsse verfügt und welche Art. In Gebäuden gibt es meistens normale 230V-Schukosteckdosen, aber kann man daran größere Scheinwerfer betreiben? Für Licht >2kW oder mehrere gleichzeitig brauchst du oft Starkstrom (380V/400V Starkstrom). Viele gewerbliche Gebäude haben Starkstromanschlüsse (32A oder 63A CEE-Dosen). Falls nicht vorhanden, überleg Alternativen: Stromgenerator (Silent-Generator mieten) oder das Equipment auf LED-Lichtumstellen, das mit Haushaltstrom auskommt. Wenn Generator: Wo kann der aufgestellt werden (Lärm! Abgase!) und wer bedient ihn? Plane Kabelwege – manchmal müssen Dutzende Meter Kabel verlegt werden, denk an ausreichend Kabelbrücken, um Stolperfallen zu vermeiden.
Besonders bei Innendrehs: Gibt es vor Ort genug Platz für Maske, Kostüm, Regiebesprechung, Aufenthaltsraum für Schauspieler? Oft unterschätzt: In privaten Wohnungen z.B. gibt es kaum Nebenräume; du solltest dann vielleicht eine extra Wohnung anmieten als Green Room, oder zumindest ein beheiztes Zelt draußen bereitstellen. Bei Außenmotiven sollte ein Basislager in der Nähe organisiert werden (vielleicht darf man einen Raum in einem nahegelegenen Restaurant nutzen, oder man stellt Wohnmobile). Toiletten sind ein weiteres Thema – sind vor Ort welche vorhanden und zugänglich? Gibt es Restaurants in der Nähe? Wenn nicht, müssen Dixi-Toiletten oder fahrbare Toiletten gemietet werden.
Ist der Drehort wettergeschützt? Wenn draußen gedreht wird: Gibt es bei Regen einen Unterstand? Muss ein Zelt oder Pavillon aufgestellt werden, um Equipment/Talent zu schützen? Bei voller Sonne: Schattenplätze für die Crew organisieren, genug Wasser (Sonnenschutz ist auch Teil der Logistik!). Außerdem: Wie verhält sich der Ort bei Schlechtwetter – wird ein Erdboden matschig und unbefahrbar? Ist ein alternativer Zugang vorhanden, falls der primäre Weg überflutet ist? Überleg, ob bei extremem Wetter (Sturm, Schneefall) besondere Maßnahmen nötig sind. Idealerweise hast du für Außendrehs einen Schlechtwetter-Plan (dazu mehr später).
Eine Location hört nicht an ihrer Grundstücksgrenze auf – das Umfeld ist mit zu beachten. Werden Anwohner oder Nachbarn beeinträchtigt? In Wohngebieten solltest du frühzeitig die Nachbarn informieren (z.B. Infobrief in Briefkästen einwerfen, in dem Datum, Uhrzeit, Ansprechpartner stehen und du um Verständnis bittest). So beugst du Beschwerden vor. Den Lärmpegel einschätzen: Filmteams sind laut (Aufbau, Abbau, Generator, Schauszenen). Wenn du etwa in einem Mietshaus drehst, solltest du alle Mieter einbeziehen und diese evtl. vorübergehend in ein Hotel schicken oder entschädigen, falls es gar nicht anders geht. Besser als dass mitten in der Drehzeit ein erzürnter Nachbar die Polizei ruft.
Stell sicher, dass alle Genehmigungen schriftlich vorliegen und dass du rechtzeitig an benötigte Schlüssel oder Zugangskarten kommst. Klingt banal, aber es passiert: Drehbeginn 6 Uhr, und niemand hat dran gedacht, den Schlüssel für das Tor zu holen – Team steht vor verschlossenem Gelände. Vereinbare, wer aufschließt (bekommt ein Crewmitglied den Schlüssel im Voraus? Trifft man sich mit dem Hausmeister morgens?). Namen und Kontaktdaten wichtiger Personen (Eigentümer, Hausmeister, Objektbetreuer, Sicherheitsdienst) solltest du parat haben. Auch klären: Wer schließt am Ende ab? Übergabeprotokoll eventuell (gerade bei empfindlichen Locations macht man am Ende gemeinsam einen Rundgang zur Abnahme). Gut ist es auch, Lage und Zugang des Sicherungskastens zu kennen.
Neben Strom gibt es weitere Punkte: Netzabdeckung – hast du Mobilfunkempfang am Drehort? Internet, falls gebraucht, etwa für Livestream an Regie, musst du vorher checken. Brandschutz: In manchen Locations (z.B. öffentlichen Gebäuden) gibt es Brandschutzauflagen, du darfst keine Fluchttüren blockieren, kein offenes Feuer ohne Feuerwehraufsicht usw. Solche Dinge solltest du im Vorfeld mit dem Objektverantwortlichen klären.
Logistisch wichtig ist auch die Wegeführung: Wie kommt das Equipment vom LKW an den Set? Musst du vielleicht einen Fahrstuhl benutzen (Traglast, Schlüssel nötig?), wie viele Treppen sind zu steigen? Notiere solche Details akribisch, damit am Drehtag genug Helfer oder Hilfsmittel (Rollwagen, Rampen) bereitstehen. Auch solltest du wissen, ob es Ladezeiten oder Anfahrverbote gibt (manche Innenstädte erlauben z.B. Lieferverkehr nur zu bestimmten Uhrzeiten).
Es empfiehlt sich, diese Punkte in einer Logistik-Checkliste pro Location festzuhalten. Viele Produktionen erstellen ein Location Sheet für jeden Drehort, auf dem alle wichtigen Infos kompakt stehen: Adresse, Ansprechpartner, Anfahrtsbeschreibung, Parkplan, nächstes Krankenhaus, nächste Werkstatt, etc. Diese Infos fließen später auch in die Disposition bzw. den Call Sheet ein, damit das gesamte Team Bescheid weiß.
In Summe erfordert die Logistik oft genauso viel Aufmerksamkeit wie die kreative Inszenierung. Eine grandiose Location nützt wenig, wenn die Crew wegen eines Verkehrschaos erst mit stundenlanger Verspätung ankommt oder ständig die Sicherung rausfliegt. Antizipation ist das Stichwort: Überleg jedes mögliche Problem im Voraus und hab Lösungsansätze parat. Damit wird der Drehort erst wirklich „drehfertig“.
Gerade für Einsteiger und Filmschaffende mit schmalem Budget kann die Locationsuche zur großen Herausforderung werden. Doch Not macht erfinderisch – es gibt viele Tricks, um mit wenig Geld tolle Drehorte zu bekommen.
Frage Dich, welche Locations Dir oder Deinem Team bereits zugänglich sind. Das eigene Wohn- oder Elternhaus, der Schrebergarten des Onkels, das Büro eines Freundes, die WG-Küche – all das können kostengünstige Drehorte sein.
Vielleicht arbeitet jemand im Team in einem Café oder einer Schule und kann nach Erlaubnis fragen. Persönliche Beziehungen öffnen Türen, die sonst verschlossen blieben.
Wichtig: Trotzdem professionell auftreten, auch wenn man „bei Freunden“ dreht. Vereinbart die Spielregeln (Zeiten, Aufräumen, etc.) schriftlich, um Missverständnisse zu vermeiden. Und zeigt Dankbarkeit. Ein kleines Geschenk oder eine Erwähnung im Abspann ist das Mindeste, wenn Leute Euch kostenlos ihren Raum überlassen.
Viele öffentliche Orte kosten nichts, solange man klein bleibt. Guerrilla-Filming (ohne offizielle Genehmigung drehen) ist riskant, aber wenn man nur mit Handkamera und zwei Schauspielern z.B. in einer Fußgängerzone eine Szene dreht, kann das klappen, solange man niemanden stört.
Randzeiten nutzen. An Sonn- und Feiertagen oder sehr früh morgens sind viele Plätze wie ausgestorben. Ein Innenstadtdreh um 5 Uhr morgens kann möglich sein, wo um 10 Uhr kein Durchkommen wäre. Plant also vielleicht Eure Drehs außerhalb der Stoßzeiten. Auch Wetter kann man sich zunutze machen: An einem verregneten Sonntag sind Parks leer und man kann vielleicht unbehelligt dort drehen.
Allerdings: Seid Euch der Risiken bewusst – sobald größere Aufbauten oder lange Drehzeiten im Spiel sind, lieber offiziell fragen.
Vielleicht könnt Ihr eine Location gegen eine Dienstleistung tauschen. Vielleicht erlaubt euch der Besitzer eines Plattenladens dort zu filmen, wenn ihr im Gegenzug einen kleinen Werbeclip für seinen Laden dreht. Solche Win-Win-Deals können beide Seiten zufriedenstellen.
Manchmal hilft auch öffentliches Fragen bspw. in Facebook-Gruppen („Filmdreh sucht Scheune“) – ihr werdet überrascht sein, wie viele Leute so etwas spannend finden und gratis unterstützen, einfach weil sie Teil eines Filmprojekts sein wollen. Vor allem bei Kurz- und Studentenfilmen gibt es eine gewisse Unterstützungsbereitschaft.
Schreib dein Drehbuch ggf. um, um Locations zu reduzieren oder vereinfachen. Ein Kammerspiel an einem Ort kann genauso spannend sein wie fünf Verfolgungsjagden durch die halbe Stadt. Konzentrierte Drehorte sparen enorm Geld. Klassiker: Viele Indiefilme spielen zum Großteil in einer Wohnung oder einem Haus, das man sich komplett herrichten konnte. Vielleicht lassen sich Szenen, die an unterschiedlichen Orten geplant waren, an einem gemeinsamen Ort zusammenlegen. Beispiel: Statt ein Polizeirevier und eine Krankenhausszene getrennt zu drehen, könnte man vielleicht in einem großen Bürogebäude sowohl ein provisorisches „Revier“ als auch einen „Krankenhausflur“ inszenieren – einfach durch Umbau des Sets.
Wälder, Strände, Wiesen. Natürlich gelten auch hier Naturschutzregeln und ggf. Genehmigungspflichten (in Naturschutzgebieten streng, in städtischen Parks auch reglementiert). Oft ist es schwierig die Besitzer von Waldstücken und Wiesen herauszufinden, doch wenn man diese Hürde nimmt kann man oft gegen eine kleine Aufwandsentschädigung oder auch kostenlost drehen. Keine Infrastruktur, Wetterabhängigkeit.
Wenn Ihr studentische Projekte dreht, kommuniziert das ruhig bei Anfragen. Viele Institutionen machen Sonderkonditionen für Ausbildungen. Auch Firmen, Museen und Privatleute sind oft hilfsbereit. (Image: „Wir fördern den Nachwuchs“).
Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt auch in der Filmproduktion stark an Bedeutung. “Green Shooting” ist mittlerweile ein feststehender Begriff: Es geht darum, die ökologischen Auswirkungen eines Drehs so gering wie möglich zu halten. In Ländern wie Österreich gibt es auch 5% zusätzliche Tax Rebates wenn Green Shooting Auflagen eingehalten werden. Nachhaltigkeit hat also finanzielle Anreize. Die Wahl der Locations und die Art und Weise, wie man dort dreht, spielen dabei eine wichtige Rolle. Hier einige Ansätze, um umweltbewusst zu agieren:
Einer der größten CO₂-Verursacher bei Dreharbeiten sind Reisen und Transporte. Plane die Drehorte so, dass unnötiges Hin-und Herfahren und weite Anreise von Crews, insbesondere Fliegen vermieden wird. Das bedeutet z.B., Drehorte geografisch zu bündeln (lieber alle Motive in einer Region drehen, statt heute im Norden, morgen im Süden Deutschlands). Wenn möglich, drehe mehrere Szenen am selben Ort oder in direkter Nähe, statt das Team ständig umzusetzen.
Falls weite Reisen nötig sind, prüfe umweltfreundlichere Alternativen: Kann man z.B. den Nachtzug statt Inlandsflug nutzen? Muss wirklich die ganze Crew anreisen oder kann man lokal Personal anheuern?
Ermutige die Crew, mit Bahn, Bus oder Fahrgemeinschaft zum Set zu kommen. Vielleicht kann man einen Shuttlebus organisieren, wenn viele vom selben Hotel kommen. In Großstädten könnten ÖPNV-Tickets statt Fahrtgeld gestellt werden. Carpooling ist eine einfache Maßnahme mit großer Wirkung.
Wähle Locations, bei denen ihr auf Strom zugreifen könnt und meide den Diesel-Generator. LED-Beleuchtung verbraucht weit weniger Strom als herkömmliche Halogen/HMI-Lampen und können unter umständen mit Batterielösungen betrieben werden.
Ein essenzieller Punkt: Hinterlasst den Ort so, wie ihr ihn vorgefunden habt – oder besser. Das bedeutet: Keinerlei Müll zurücklassen (Abfallkonzept, Mülltrennung am Set), keine dauerhaften Veränderungen ohne Rückbau, Respekt vor Flora und Fauna (nicht querfeldein mit Fahrzeugen, Pflanzen schützen). In Naturgebieten gilt: Nicht abseits der Wege gehen, Tiere nicht stören (Drehzeiten anpassen, Brutzeiten beachten).
Filmdrehs können komplex und voller unvorhersehbarer Ereignisse sein. Daher ist Risiko-Management ein integraler Bestandteil der Locationplanung. Es geht darum, potentielle Gefahren am Drehort frühzeitig zu erkennen, präventive Maßnahmen zu ergreifen und für Notfälle gewappnet zu sein. Sicherheit von Crew, Darstellern und Publikum (falls vorhanden) steht an erster Stelle – kein Bild ist es wert, dass jemand zu Schaden kommt. Hier die wichtigsten Aspekte zur Absicherung:
Für jeden Drehort sollte eine Risikoanalyse durchgeführt werden, idealerweise im Rahmen eines technischen Location Checks.
Identifiziere mögliche Gefahrenquellen: Hat das Gebäude bauliche Mängel (morsche Böden, Asbest, niedrige Decken für Kran)? Gibt es Brandgefahr (viele Kabel, offene Flammen geplant)? Wie ist das Gelände beschaffen (Abhänge, Gewässer, Steinschlag im Gebirge)?
Schon beim Location Scouting sollte man solche Dinge notieren. Offiziell wird oft ein Motiv-Gefahrenformularausgefüllt – größere Produktionen haben dafür Checklisten, in denen man z.B. einträgt „Drehort X: Stolperfallen, Dunkelheit, Scharfe Kanten etc.“ und dann Gegenmaßnahmen plant. Bei heiklen Locations (z.B. altes Industriegebäude) kann es ratsam sein, einen Sicherheitsexperten hinzuzuziehen, der das Set beurteilt.
Sobald potenzielle Risiken erkannt sind, müssen Schutzmaßnahmen eingeplant werden. Beispiele: Bei Drehs im öffentlichen Straßenraum Warnwesten für Crew-Mitglieder. Bei Nachtaufnahmen Beleuchtung für Wege, damit niemand im Dunkeln stolpert. In maroden Gebäuden Absperrung instabiler Bereiche, Helmpflicht wenn Überkopf-Arbeiten stattfinden.
Feuerlöscher bereitstellen, wenn mit Pyrotechnik oder Rauch gearbeitet wird. Generell gehört zur Vorbereitung auch, Notausgänge freihalten, Fluchtwege kennen und ggf. markieren. Die Filmcrew sollte ein Safety Briefing bekommen: Zu Beginn des Drehs einmal alle auf Gefahren hinweisen („Passt auf die tiefe Decke im Keller auf“, „Nicht ohne Erlaubnis auf das Dach klettern“, etc.).
Bei Projekten mit erhöhtem Risiko (Action, große Sets, Stunts, Spezialeffekte) ist es sinnvoll – und teils vorgeschrieben – Sicherheitskoordinatoren oder Fachkräfte einzusetzen. Diese Personen (oft Stunt Coordinator, Safety Supervisor o.ä.) haben die Aufgabe, das Set auf Sicherheit zu prüfen und alle riskanten Abläufe zu überwachen. Du kannst auch Kontakt zu örtlichen Rettungsdiensten halten.
Bei schwierigen Locations wie Bahnstrecken ist in der Regel Personal der Betreiberfirma vor Ort und es müssen Freistellungs-Verträge unterschrieben werden, dass die Produktion die volle Haftung übernimmt. Solche Experten kosten Geld, sind aber lebenswichtig – man denke an Unfälle wie den „Midnight Rider“-Fall (2014 in USA), wo fahrlässiger Dreh auf Bahngleisen ohne Genehmigung zu einem Todesfall führte und der Regisseur strafrechtlich verurteilt wurde. So etwas muss unbedingt vermieden werden.
Für jeden Drehort sollte es einen Plan B im Notfall geben. Das betrifft zum einen medizinische Notfälle: Wo ist das nächste Krankenhaus? Wer übernimmt die Ersthilfe am Set? Wo ist ein Erste-Hilfe-Kasten zu finden?
Kennt jeder die Adresse, um im Ernstfall dem Rettungsdienst den Weg zu lotsen? Gibt es definierte Flucht- und Sammelpunkte, falls z.B. Feuer ausbricht? Zum anderen drehbezogene Notfälle: Was, wenn plötzlich ein Sturm aufzieht und das Set abgebrochen werden muss – wohin flüchtet man, wo lagert man Equipment sicher?
Wie oben erwähnt, Deckung über Haftpflicht ist Pflicht. Darüber hinaus sollte klar sein, wer die Verantwortung für Sicherheit trägt. In der Regel ist das der Set-AL oder eine gesonderte Person, die darauf achtet, dass alle Vorschriften eingehalten werden. Sie ist Ansprechpartner, falls jemand einen unsicheren Zustand bemerkt. Ein offenes Klimaermutigen: Jede:r im Team sollte das Gefühl haben, Gefahren ansprechen zu dürfen, ohne belächelt zu werden.
Risiko-Management betrifft auch Equipment und Daten. Also: Sind Kameras und Technik wettergeschützt? Lagert man über Nacht am Drehort, dann nur in abgesicherten Räumen oder mit Security? Datensicherung vor Ort (Footage-Kopien) nicht vergessen, und dafür Räume und Infrastruktur einplanen.
Sicherstellen, dass alle erforderlichen Genehmigungen vorliegen (sonst droht im schlimmsten Fall Drehstopp durch Behörden = hoher Schaden) und alle Verträge Unterschriften haben (damit im Nachhinein niemand Ansprüche stellen kann, die nicht bedacht waren). Auch NDAs oder Drehgenehmigungen für Mitwirkende (z.B. Komparsen) gehören dazu, um rechtlich safe zu sein.
Führe im Idealfall ein Safety-Protokoll am Set: Wer war Sicherheitsverantwortlich, welche Briefings gab es, besondere Vorkommnisse. Sollte es zu einem Unfall kommen, ist es wichtig, nachweisen zu können, dass man alles Zumutbare getan hat. Nicht schön, aber Teil der Absicherung – im schlimmsten Fall schaut ein Staatsanwalt oder Versicherungsgutachter darauf.
In diesem Abschnitt fassen wir allgemeine Best Practices zusammen – gewissermaßen goldene Regeln, die sich für Location Scouts und Produktionsverantwortliche bewährt haben. Sie basieren auf Erfahrung und sollen helfen, die Zusammenarbeit rund um Locations effektiv und professionell zu gestalten:
Beginne die Locationsuche so früh wie möglich. Mache einen gründlichen Drehbuch-Breakdown und liste alle Locations auf, die benötigt werden. Priorisieren nach Wichtigkeit: zentrale Schlüsselmotive zuerst sichern. Je mehr Zeit man zur Verfügung hat, desto großer die Wahrscheinlichkeit passende Locations auch für kleineres Geld zu finde.
Location Scouts bzw. mit der Suche beauftragte Mitarbeiter arbeiten im Dienst der Vision von Regie und Szenenbild. Halte engen Kontakt mit Regisseur:in, Kamera und Production Design, um deren Anforderungen genau zu verstehen. Kommunikation ist sehr wichtig.
Zeige ihnen früh Referenzfotos und hole Feedback ein – so vermeidest du, in die falsche Richtung zu suchen. Nichts ist frustrierender, als 10 Motive zu präsentieren, die dann alle abgelehnt werden, weil irgendwo die Kommunikation hakte. Ein:e gute:r Location Scout hört zu und berät auch proaktiv: „Ihr wollt XY, aber bedenkt, dass wir dort kaum Licht aufbauen können, vielleicht suchen wir lieber Z.“
Sobald potentielle Orte gefunden wurden, dokumentiere diese ausführlich. Mach viele Fotos aus verschiedenen Blickwinkeln, bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen, mit Größenvergleich (Person im Bild für Maßstab). Erstelle Skizzen oder Grundrisse, notiere Abmessungen, Besonderheiten (Deckenhöhe, Zugangstüren, Fensterrichtung). Halte Kontaktdaten der Besitzer, Ansprechpartner, etc. fest. Diese Informationen gehören in ein Location-Dossier. So kann das Team schon am Schreibtisch planen und weiß, was es vorfindet.
Nachdem eine Vorauswahl getroffen ist, wird ein gemeinsamer Location-Termin mit den wichtigen Head-Offs durchgeführt (Regie, DoP, Szenenbild, Ton, AL). Hier werden finale Entscheidungen getroffen. Jedes Department achtet auf andere Dinge: Die Kamera auf Bildausschnitte und Licht, der Ton auf Akustik, der AL auf Logistik.
Diese Tech Recces sind wichtig, um vorab Probleme zu erkennen. z.B. bemerkt der Tonmeister, dass nebenan eine Fabrik permanent dröhnt (vielleicht muss man dann doch noch die Location wechseln). Notiere alle Anforderungen, die dort besprochen werden (z.B. „brauchen hier Podest für Dolly“ oder „müssen Equipment zum abdunkeln mitbringen“). Danach kann man Checklisten erstellen, damit am Drehtag alles Nötige mitgebracht und eingerichtet ist.
Als Produzent:in oder Location Manager achtest du darauf, dass die Drehplan-Schedule möglichst orts-optimiert ist. D.h. Szenen, die denselben Ort nutzen, werden (soweit Drehbuch erlaubt) zusammengefasst gedreht, um Umbauten zu vermeiden. Reisen zwischen Locations kosten Zeit – minimiere Company Moves. Wenn Moves nötig sind, plane Puffer ein und klär vorher, wie der Transfer abläuft.
Ein:e Location Manager:in fungiert oft als Schnittstelle zwischen Location-Gebern und dem Filmteam. Pflege diese Beziehungen mit Fingerspitzengefühl. Sei transparent gegenüber Eigentümern, aber vertritt auch die Interessen der Produktion.
Trotz bester Planung – es kommt oft anders. Beste Praxis ist es, immer einen Plan B in der Tasche zu haben. Sei es ein Alternativmotiv oder eine Schlechtwetteroption. Als Produzent:in solltest du im Drehplan Luft für Änderungen lassen, statt alles auf Kante zu nähen.
Halte dich an die vereinbarten Regeln am Drehort (Hausordnung etc.). Mach dem Team klar, dass man Gast ist – ob in einem Privathaus oder einem gemieteten Schloss – entsprechend benehmen. Das heißt: nichts mutwillig beschädigen, keine verbotenen Bereiche betreten, Rauchen nur wo erlaubt, etc. Eine Kultur des Respekts führt dazu, dass du vielleicht in Zukunft wiederkommen darfst. Eine verschmutzte oder beschädigte Location hingegen ruiniert Ihren Ruf und den zukünftiger Produktionen. Höflichkeit und Professionalität am Set sind die beste Visitenkarte.
Ein Profi-Scout arbeitet im Interesse des Projekts, nicht für Provisionen. Der Bundesverband Locationscouts betont z.B., dass seriöse Scouts auf Tageshonorarbasis arbeiten statt prozentuale Kickbacks zu nehmen – damit sie neutral beraten und keine Location aus Eigeninteresse pushen. Als Best Practice sollte ein Scout immer mehrere Optionen anbieten und transparent Vor- und Nachteile darlegen, anstatt eine Wahl aufzudrängen. Produzent:innen sollten solche Professionalität wertschätzen und angemessen honorieren, denn damit erkaufst du dir Unabhängigkeit und Qualität.
Diese Best Practices klingen teils selbstverständlich, sind aber in der Hektik der Produktion leicht vergessen.
Trotz aller Planung kann es passieren: Ein geplanter Drehort fällt aus oder muss geändert werden – sei es kurzfristig während der Drehvorbereitung oder sogar am Drehtag selbst. Das ist der Albtraum jeder Aufnahmeleitung, aber es kommt vor. Entscheidend ist, ruhig und lösungsorientiert zu bleiben. Folgende Strategien helfen im Umgang mit solchen Situationen:
Bereits in der Planungsphase solltest du alternative Locations für kritische Szenen in petto habe. Oder dir zumindest bewusst sein: „Was würde ich tun, wenn Drehort X wegfällt?“ Im Idealfall hat man für Schlüssel-Locations eine Backup-Variante fix und fertig genehmigt (was allerdings doppelte Arbeit bedeuten kann). Realistischer ist: Man hat einen anderen Ort in Aussicht und die wichtigsten Infos dazu parat, auch wenn noch keine volle Genehmigung existiert. Gerade bei wetterabhängigen Außendrehs ist ein Cover-Set Standard – also eine Indoor-Location, oder eine andere Szene, auf die man ausweichen kann. Beispiel: Geplante Parkszenen bei Sonne? Als Ausweichmotiv vielleicht ein Café-Interieur, wo man notfalls eine „Schlechtwetter-Szene“ statt der Parkszene dreht. So verliert man den Drehtag nicht völlig, falls das Wetter kippt.
Prüfen im Vorhinein Ihre Verträge so, dass du bei Ausfall nicht auf riesigen Kosten sitzen bleibst. Wenn Sie z.B. eine Location gemietet haben und die Produktion verschiebt sich, was steht im Vertrag zu Storno? Es ist gut, eine schriftliche Ausfallregelung drin zu haben (z.B. „bei Absage bis 7 Tage vorher keine Kosten, danach 50% der Miete“). Umgekehrt, wenn der Location-Geber absagt, was dann? Dies sollte im Vertrag abgeklärt sein.
Insgesamt gilt: So gut man auch plant, Unwägbarkeiten gehören zum Filmemachen. Professionell damit umzugehen unterscheidet ein gutes Produktionsteam. Wer Panik vermeidet, Alternativen parat hat und ruhig kommuniziert, der kann auch spontane Motivänderungen meistern, ohne dass der Film Schaden nimmt.
Wenn alle (oder die meisten) Locations feststehen, lohnt es sich alle Infos strukturiert festzuhalten, in einer Motivliste. Eine Art Nachschlagewerk, das alle wichtigen Infos zu den Drehorten einer Produktion bündelt. Dies dient sowohl der internen Organisation als auch als Informationsquelle für alle Abteilungen.
Für jeden Drehort werden typischerweise folgende Informationen festgehalten
Format und Tools: Diese Infos können klassisch als Tabelle oder Dokument erstellt und digital verteilt werden, oder physisch als Ausdruck im Produktionsteam-Büro ausliegen. Die meisten erstellen es heute digital und updaten es laufend, damit Änderungen für alle verfügbar sind.
Es gibt auch spezialisierte Software: Manche Production-Management-Tools (z.B. Yamdu, StudioBinder) lassen einen die Location-Datenbank direkt teilen. Es gibt Vorlagen in Excel oder Word im Netz, die man adaptieren kann. Aber letztlich ist die Form weniger wichtig als die Übersichtlichkeit, der Inhalt und dass es aktuell gehalten wird.
Diese Motivliste sollte allen Schlüsselpersonen zugänglich sein.
Zum Abschluss stellen wir einige Checklisten und Templates vor, die in der Praxis extrem hilfreich sein können. Diese Vorlagen erleichtern die strukturierte Abarbeitung aller Punkte und verhindern, dass man wichtige Dinge übersieht. Außerdem beschleunigen sie Abläufe, weil man das Rad nicht jedes Mal neu erfinden muss. Hier ein Überblick:
Eine Liste aller Fragen, die man sich beim Scouting eines Ortes stellen sollte – quasi eine Zusammenfassung all der Punkte aus Abschnitt 3 und 7. Diese Checkliste kann man beim Location-Besuch ausgedruckt mitnehmen.
Projekt & Szene
Adresse & Kontakt
Bild & Ton
Sicherheit & Recht
Logistik
Platz & Set-Flow
Umfeld & Nachhaltigkeit
Spezialvorhaben
Dokumentation
Termine & Kosten
Backups & Wetter
To-Dos
Viele Film Commissions stellen Vorlagen für Anträge bereit.
Dieser Guide sollte dir ein umfangreiches Rüstzeug geben, um die Suche und Auswahl von Drehorten in Deutschland (und darüber hinaus) erfolgreich zu meistern. Von der ersten Idee bis zur letzten Klappe ist es ein weiter Weg, aber mit systematischem Vorgehen, guter Kommunikation und einer Portion Kreativität lassen sich für jedes Projekt die passenden Locations finden.
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