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Kamerateam vor Ort als Motiv für eine Recce-Checkliste.

Camera crew on a beach location von Stephane YAICH / Unsplash Unsplash License

SetScout Blog Artikel
6. Mai 2026

Location Recce: 50-Punkte-Checkliste für den Drehort

Eine vor Ort nutzbare Checkliste, mit der alle Gewerke Drehbarkeit, Risiken, offene Entscheidungen und Verantwortliche vor der Zusage dokumentieren.

Kapitel

  1. Kurzfassung: Was die Recce liefern muss
  2. 1. Vorbereitung: Produktion und Location Management setzen den Prüfrahmen
  3. 2. Regie und Kamera prüfen Bildachsen, Maße und Bewegung
  4. 3. Produktion plant Zugang, Ablauf, Nebenräume und Nachbarschaft
  5. 4. Licht, Elektro und Grip sichern Strom, Kabelwege und Rigging ab
  6. 5. Ton prüft O-Ton, Raumklang und kontrollierbare Störquellen
  7. 6. Szenenbild und Motivgeber definieren Eingriffe, Schutz und Rückbau
  8. 7. Produktion und Sicherheitsverantwortliche prüfen den sicheren Betrieb
  9. 8. Go/No-Go: Aus Befunden wird eine belastbare Motiventscheidung

Eine Location Recce ist erst erfolgreich, wenn jedes relevante Gewerk weiß, ob das Motiv den geplanten Dreh tragen kann. Gute Fotos reichen nicht. Bild, Ton, Licht, Strom, Rigging, Zufahrt, Schutz, Sicherheit und Betriebsablauf brauchen Belege und eine Entscheidung.

Diese operative Checkliste verbindet Motivbesichtigung und technische Prüfung. Die begriffliche Abgrenzung findest du im Leitfaden zu Recce, Motivbesichtigung, Tech Recce und Location Scout.

Nutze sie vor der verbindlichen Motivfreigabe. Bei kleinen Produktionen kann eine Person mehrere Bereiche verantworten. Entscheidend ist, dass jeder Prüfpunkt einen Namen, einen Befund und eine Konsequenz bekommt.

Kurzfassung: Was die Recce liefern muss

  • Eine abgestimmte Flächen- und Wegeplanung für Set, Technik, Crew, Fahrzeuge und Nebenräume.
  • Technische Belege statt Annahmen: Maße, Fotos, Stromdaten, Tonaufnahmen, Freigaben und Zeitfenster.
  • Klare Zuständigkeiten für offene Fragen, Schutzmaßnahmen, Genehmigungen und Kommunikation mit dem Motivgeber.
  • Ein dokumentiertes Go, Go mit Auflagen, Hold oder No-Go mit Auswirkung auf Budget und Drehplan.

1. Vorbereitung: Produktion und Location Management setzen den Prüfrahmen

Verantwortlich: Produktionsleitung oder Location Management. Vor dem Termin müssen alle Beteiligten dieselbe Version von Motivbriefing, Szenen, Technikumfang und offenen Entscheidungen kennen.

  • Szenen, geplante Tageszeit, Dialog, Stunts, Fahrzeuge, Tiere, Effekte und Außenflächen markieren.
  • Shotlist, Blickachsen, Lichtidee, O-Ton-Anforderungen und geplante Umbauten an alle Gewerke verteilen.
  • Crewgröße, Cast, Kunden, Komparsen, Technikfahrzeuge, Catering und Unit Base realistisch ansetzen.
  • Motivgeber oder Betreiber mit Entscheidungskompetenz einladen. Eine Besichtigung ohne befugte Ansprechperson darf keine Freigabe vortäuschen.
  • Ein Entscheidungsprotokoll vorbereiten: Prüfpunkt, Befund, Foto oder Messwert, Status, Verantwortlicher und Deadline.

2. Regie und Kamera prüfen Bildachsen, Maße und Bewegung

Verantwortlich: Regie und Kamera. Sie übersetzen die kreative Absicht in konkrete Einstellungen und benennen sofort, welche Kompromisse die Szene verändern.

  • Jede Hauptachse aus Kamerahöhe fotografieren und Spiegel, Logos, Fenster, private Bereiche oder störende Einbauten markieren.
  • Raumtiefe, Deckenhöhe, Türen, Flure, Treppen, Aufzug und Wendepunkte für Kamera, Dolly, Gimbal, Stative und Cases messen.
  • Fensterorientierung, Tageslichtverlauf, Reflexionen, Leuchtmittel, Flimmern und Verdunklung im geplanten Drehfenster prüfen.
  • Für komplexe Bewegungen Start, Ende, Bedienweg, Fokusweg, Sicherung und Rückweg der Crew festlegen.
  • Je Einstellung entscheiden: möglich, nur mit Umbau möglich, nur in einem Zeitfenster möglich oder neu planen.

3. Produktion plant Zugang, Ablauf, Nebenräume und Nachbarschaft

Verantwortlich: Produktion und Location Management. Sie beweisen, dass Menschen, Material und Fahrzeuge vom Ankommen bis zum Rückbau ohne ungelöste Konflikte durch den Tag kommen.

  • Load-in vom Haltepunkt bis zum Set abgehen. Türen, Schwellen, Kurven, Treppen, Aufzuglast, Schlüssel, Codes und Betriebszeiten dokumentieren.
  • Ladezone, Technikfahrzeuge, Motivfahrzeuge, Generator, Crew-Pkw, Kunde, Catering und Shuttle getrennt planen.
  • Set, Holding, Maske, Kostüm, Szenenbild, Video Village, Equipment, Catering, Pausen, Müll und Sanitär realen Flächen zuweisen.
  • Lieferzeiten, Publikumsverkehr, Hausverwaltung, Security, Nachbarn, Ruhezeiten, Sperrflächen und nötige Vorabinformationen klären.
  • Bestätigte Wege und Flächen, nötige Sperren, Kontakte, Zeitpuffer und offene Genehmigungen dokumentieren.

Den Weg vom Parkplatz bis zum Arbeitsplatz auch für Mobilitäts-, Seh- und Hörbedarf prüfen. Der Leitfaden zur Barrierefreiheit am Drehort vertieft Rampen, Toiletten und Crewwege.

4. Licht, Elektro und Grip sichern Strom, Kabelwege und Rigging ab

Verantwortlich: Oberbeleuchter, Elektrofachkraft und Grip, je nach Umfang. Steckdosen sind kein Lastplan. Unbekannte Leistung oder unklare Stromkreise bleiben offene technische Punkte.

  • Sicherungskasten, Stromkreise, Steckdosen, CEE-Anschlüsse, Betreiberkontakt und zulässige Nutzung fotografieren und beschriften.
  • Geplante Verbraucher einem Lastplan zuordnen. Einspeisung, Verteilung, Schutz und Abschaltwege durch zuständige Fachleute bestätigen lassen.
  • Generatorstandort, Abgasführung, Lärm, Kraftstoffhandling, Erdung, Wetterschutz und Kabellänge mit zuständigen Fachleuten klären.
  • Kabelwege so planen, dass Fluchtwege, Türen, Publikumsverkehr und barrierefreie Routen frei bleiben. Schutz und Überfahrbrücken benennen.
  • Für Rigging Befestigungspunkte, Lasten, Untergrund, Decken oder Geländer dokumentieren. Freigaben und Nachweise dürfen nur zuständige Fachleute oder Betreiber erteilen.
  • Außenlicht, Stative, Fahnen, Hebebühnen und Arbeiten in Höhe mit Stellfläche, Wind, Absturzsicherung und Sperrbereich prüfen.
  • Bestätigte Einspeisung, Verteilung, Kabelplan, Rigging-Freigaben, Aufbauzeit, Auflagen und technische No-Gos dokumentieren.

Für die elektrische Detailprüfung nutze den Leitfaden zu Haushaltsstrom, CEE, Generator und Lastplan.

5. Ton prüft O-Ton, Raumklang und kontrollierbare Störquellen

Verantwortlich: Tonabteilung. Ein Raum kann bei der Besichtigung ruhig wirken und im geplanten Drehfenster unbrauchbar sein.

  • Mindestens eine Minute Raumton an geplanten Positionen aufnehmen und Uhrzeit, Fensterzustand, laufende Geräte und Publikumsbetrieb notieren.
  • Dauerquellen wie Lüftung, Kühlung, Heizung, Server, Lampen und Aufzug von Lieferungen, Schule, Bahn, Flugrouten oder Nachbarn trennen.
  • Für jede abschaltbare Quelle festhalten, wer sie wann abschalten darf, welche Nebenwirkung entsteht und wie der Normalbetrieb zurückkehrt.
  • Hall, harte Flächen, knarrende Böden, laute Türen, Funkstrecken und Arbeitsflächen für das Tonteam prüfen.
  • Entscheiden: O-Ton möglich, nur im definierten Zeitfenster möglich, nur mit Maßnahmen möglich oder nicht zuverlässig planbar.

Die vertiefte Tonprüfung steht im Spezialleitfaden zu O-Ton, Lüftung, Kühlschrank, Straße und Nachhall.

6. Szenenbild und Motivgeber definieren Eingriffe, Schutz und Rückbau

Verantwortlich: Szenenbild zusammen mit Motivgeber oder Betreiber. Jede Veränderung braucht eine klare Erlaubnis und einen realistischen Rückbau.

  • Möbel, Kunst, Pflanzen, Waren, private Fotos, Dokumente, Logos und sensible Technik erfassen. Festlegen, was bewegt, abgedeckt oder nicht berührt werden darf.
  • Tape, Nägel, Bohrungen, Farbe, Haze, Wasser, Schmutz, offene Flammen, Requisitenaufbauten und Außenbauten einzeln freigeben oder ausschließen.
  • Schutz für Böden, Wände, Türen, Aufzug und Transportwege bestimmen. Material, Aufbau, Kontrolle und Entfernung einer Person zuweisen.
  • Vorher-Fotos, Zustandsprotokoll, Lagerort, Reinigungsstandard und Abnahme nach Rückbau vereinbaren.
  • Erlaubte und verbotene Eingriffe, Schutzplan, Zusatzkosten, Rückbauzeit und abnahmeberechtigte Person dokumentieren.

7. Produktion und Sicherheitsverantwortliche prüfen den sicheren Betrieb

Verantwortlich: Produktion mit den für das jeweilige Risiko qualifizierten Personen. Die Recce liefert Beobachtungen für die Sicherheitsplanung, ersetzt aber keine erforderliche Gefährdungsbeurteilung oder Fachfreigabe.

  • Fluchtwege, Brandschutztüren, Feuerlöscher, Rauchmelder, Sammelpunkt, maximale Belegung und Zutritt für Rettungskräfte klären.
  • Stolperstellen, niedrige Decken, lose Beläge, nasse Flächen, enge Treppen, ungesicherte Kanten und Konflikte mit Publikumsverkehr markieren.
  • Arbeiten in Höhe, Wasser, Fahrzeuge, Tiere, Drohnen, Stunts, Nebel, Pyro, Waffenattrappen und gefährliche Stoffe als einzelne Prüfpunkte aufnehmen.
  • Wettergrenzen, Wind, Hitze, Kälte, Regenplan, Außenwegbeleuchtung und sichere Equipmentlagerung festlegen.
  • Akzeptierte Risiken, Maßnahmen, Fachfreigaben, verantwortliche Personen und Bedingungen für einen Stopp dokumentieren.

8. Go/No-Go: Aus Befunden wird eine belastbare Motiventscheidung

Verantwortlich: Produktionsleitung. Am Ende zählt ein gemeinsamer Status mit sichtbaren Folgen für Budget, Zeit und Motivvertrag.

  • Go: Alle kritischen Punkte sind belegt und im geplanten Umfang umsetzbar.
  • Go mit Auflagen: Das Motiv funktioniert nur mit benannten Maßnahmen, Kosten, Freigaben oder Zeitfenstern.
  • Hold: Ein entscheidender Beleg fehlt. Der Punkt bekommt Verantwortlichen, Deadline und Entscheidungsschwelle.
  • No-Go: Ein kreatives, technisches, logistisches oder sicherheitsrelevantes Kriterium ist nicht lösbar oder unverhältnismäßig.
  • Jeden offenen Punkt mit Beleg, Verantwortlichem, Deadline, Kostenfolge und Auswirkung auf Drehplan oder Motivvertrag dokumentieren.

Das Abschlussprotokoll gehört in Anfrage, Kalkulation, technische Planung, Dispo, Motivvertrag und Set-Regeln. Erst wenn alle betroffenen Gewerke dieselbe Entscheidung sehen, ist die Recce abgeschlossen.

Wenn das Motiv nicht freigegeben wird, nutze die dokumentierten No-Gos als Filter für die nächste Suche nach passenden Drehorten.

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